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Spätkirmes

Roman, Broschur, 224 Seiten, Preis: 18,00 EUR, ISBN: 9783957322357

Aus der Verlagsankündigung:

"Hannes Tannert wohnt mit Frau und Kind in der rheinischen Kleinstadt Kirchberg. Für den Familienvater ist die kleinbürgerliche Idylle ein Graus, denn eigentlich würde er als Juniorprofessor  viel lieber in Berlin wohnen. Seine Frau Meta hingegen, die seit der Geburt der Tochter Cora auf 400 Euro-Basis beschäftigt ist, genießt das Leben auf dem Land. Wenig später verliert Hannes seinen Job, und auf der Kirmes, die anlässlich des 175-jährigen Jubiläums des Schützenvereins veranstaltet wird, droht der Familienfrieden endgültig in die Brüche zu gehen. Muss oder kann „Heimat“ gleichbedeutend mit Sicherheit sein? Diese Frage stellt Enno Stahl in seinem neuen Roman „Spätkirmes“, der mit analytischer Präzision die Verfassung des deutschen Mittelstands beschreibt."

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Pressestimmen:

"Spätkirmes heißt der neue Roman von Enno Stahl. Darin geht es um Angst, um Bedingungen des Lebens in unterschiedlichen Milieus der Gegenwart."
WDR 5 - Scala

"Enno Stahl fühlt in Spätkirmes dem deuschen Mittelstand auf den Zahn. Detailliert und ungemein lebendig beschreibt er aus wechselnden Perspektiven das Kirchweiler Kleinstadtleben. (...) Enno Stahl erzeugt so ein vielstimmiges soziales und kulturelles Panorama, das trotz seines rheinischen Lokalkolorits auch stellvertretend für die deutsche Wirklichkeit steht. Insofern ist "Spätkirmes" nicht nur ein großartiges Fantasieprodukt, sondern auch ein substanzielles politisches Deutschland-Buch.
Florian Schmid / Straubinger Tagblatt

"Spätkirmes ist der fünfte Teil von Enno Stahls Zyklus "Die Turbojahre". Wie seine Vorgänger ist der rundum faszinierende Roman im Berliner Verbrecher-Verlag erschienen."
Claus Clemens / Rheinische Post

 "Enno Stahl (...) ist als einer der wenigen wirklich politischen Köpfe im deutschsprachigen Literaturbetrieb bekannt. (...) Die Vielfalt von Stimmen und Perspektiven sorgt für die Atmosphäre des Buchs, eine erdrückende Atmosphäre voller erdrückter Figuren. Sie alle sind irgendwo gefangen: In ihrer Stimmung, in ihren Sorgen, in ihren Konsumansprüchen, in ihren Lebensmustern, in ihrer Herkunft. Aus all dem, den Stimmen, den Perspektiven, den Hintergründen, entwickelt sich ein kleinstädtisch-kleinbürgerliches Panorama."
Konstantin Ulmer / Freitag

"Stahl ist nicht nur eine wunderbare Studie gelungen, sondern auch ein wichtiges Stück Gesellschaftskritik - denn: Anhand der Erlebnisse der (flüchtigen) Familie erfährt der Leser viel über die Unmöglichkeit einer Stadt-/Landflucht, über Heimat und deutsche Identität."
Florian Kölsch / Musikexpress


Leseprobe:

Das brauche ich heute wirklich nicht, nicht in dieser Situation, diesen Zirkus, Mützen, Litzen, Holzgewehre, wie erwachsene Männer … warum gehen sie nicht einfach in die Kneipe und besaufen sich, wozu dieses Beiwerk? Stellt sich die Frage, ist das Ganze ein Epiphänomen des Trinkens oder umgekehrt? Undurchschaubar, jedenfalls für mich, ich sehe, begreife da nichts … Zusammenhalt, Freundschaft, Tradition. Kann man auch anderweitig, vage, diffus, unklar, und wenn man dann konkret nachfragt, weichen sie nur aus. Erinnert mich beinahe … wie dieser Borkumer Brauch, Walfängerfest, keine Fremden zugelassen, Meta und ich in dieser einen Kneipe, ziemlich versackt, das Kind war da noch nicht, so lange ist das her: Was ist das für ein Fest? Und was passiert da? – Na ja, Klaasohm. Das kann man nicht erklären, das muss man gesehen haben. Hm. Ja. Na klar. Wie soll man sich das ansehen, wenn Auswärtige keinen Zutritt haben?! Norddeutscher Humor. Bei den Schützen gibt es keine Geheimnisse, ein Rätsel bleibt die Sache selbst. Wie weit noch? Die Wade macht dicht, nicht dass die Zerrung wieder aufreißt, aufpassen, weich auftreten, gut abrollen, der Rückriem-Stein, immerhin schon, dann sollte es klappen, da komme ich wohl zurück. Bin noch immer zurückgekommen, das Gewinsel des eigenen Körpers, darf man nichts drauf geben, das ist eigentlich gemeint mit dem Spruch: Der Körper ist das Nachrangige. Und überhaupt: Dass in einem gesunden Körper ein ebensolcher Geist wohnte, wäre eher die Ausnahme, Gewichte stemmen ist kein Ausweis von Intelligenz, Schwachmaten ausm Fitnessstudio, so klein die Köpfe, Hirne passen da gar nicht mehr rein. Die Juvenalsche Satire ist dem Spruch leider abhandengekommen, das Drama geflügelter Worte, meist gestutzte Federn, der Sinn elementar verdreht.

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