NEU: Menschmaschinen
Ein Roman über unsere soziale Zukunft: Die völkisch-rechtspopulistischen Parteien regieren Europa, doch angesichts eines entgrenzten Marktfundamentalismus bedeutet das nicht viel. Jeder kämpft nur für sich selbst. Eine durchgehende staatliche Verwaltung existiert nicht. Zudem ist die EU nur mehr Vasall eines übermächtigen Chinas, dazu eingezwängt zwischen USA und Russland, die beide von totalitären Machthabern beherrscht werden und sich in kriegerischer Konkurrenz gegenüberstehen. Allen Menschen ist ein Chip implantiert (die sogenannte Interier Console [IC]), durch den sie beständigen Zugang zum Allnetz haben. Mittels 3-D-Druckern stellen sie fast alle Gegenstände des täglichen Bedarfs selbst her, wenn sie sich das leisten können. Denn Jobs und damit die Möglichkeit, etwas über die karge Grundsicherung hinaus verdienen, gibt es bloß noch wenige. Androiden und genetisch erzeugte Spezialisten sorgen für zusätzlichen Druck auf dem stark reduzierten Arbeitsmarkt.
In diesem Szenario findet sich der zwanzigjährige Marcos plötzlich wieder – als wäre er aus dem All gefallen: Er weiß nichts über sich, sein Gedächtnis scheint wie ausgelöscht. Er macht sich auf die Suche nach seiner Identität durch die gigantische Techno-Großstadt RheinRuhr, die vom früheren Dortmund bis nach Liège reicht. Dabei helfen ihm die junge Frau Tonya und der zwielichtige Detektiv Berlinguer. Beide scheinen eigene Interessen zu verfolgen. Trauen kann Marcos niemandem. Alle Spuren führen zum Genetik-Riesen TransGen Inc., hier wird Marcos eine schockierende Entdeckung machen und die Wahrheit über seine Herkunft erfahren.

Roman, Broschur, ca. 220 Seiten, Preis: 18,00 €, ISBN: 9783988050762
Presse
„Menschmaschinen ist ein Roman über Entfremdung. Autor Enno Stahl greift darin politische und gesellschaftliche Tendenzen der Gegenwart auf und schreibt sie auf seine Weise fort. Digitalisierung, Biotechnologie, Umweltverschmutzung, soziale Spaltung, Vormachtstellung von Großmächten und prekäre Arbeitswelten spitzen sich bedrohlich zu, und die Rheinregion fungiert dabei als Brennglas dieser Entwicklungen (…) ein bemerkenswerter Roman: gedanklich scharf und unbequem.“
(Ananda Kordes, Rheinische Post, online lesen)
„Was es heißt, unsere Verantwortung für Erde, Umwelt und Menschen weiter so zu vernachlässigen wie jetzt, fasst der in Neuss geborene Autor in atmosphärisch dichten Zustandsbeschreibungen von geschundener Natur und deformierten gesellschaftlichen Entwicklungen (…) Realdystopischer Sozialroman aus der nahen Zukunft, geschrieben mit Lokalkolorit, Tempo und dem scharfen Blick der Gesellschaftsanalyse, Dazu wunderbar illustriert von Roland Bergère.“
(Manfred Luckas, FDA: online lesen)
„Menschmaschinen steht erkennbar in der Tradition des europäischen Dystopieromans mit Aldous Huxley und George Orwell im Hintergrund, ergänzt durch die cyberpunknahen Gesellschaftsdystopien eines Philip K. Dick. Hiervon unterscheidet sich Stahl durch dezidiert sozialpolitische Bezüge. Das Pan-Chinesische Imperium, die Brüsseler Marionetten, die wenig verschlüsselten Auftritte von Trump und Putin, eine Beschäftigungsquote von 34 Prozent, Kindesmissbrauchsskandale, das Auftreten einer korrupten, erpresserischen nazifizierten Freibürger-Gemeinschaft, die für autonome Nationalstaaten und ein unabhängiges Deutschland eintritt – all dies sind Verlängerungen aktueller politischer Tendenzen ins Übermorgen. Science-Fiction fungiert in solchen Kontexten als Augenöffner und – sofern man Literatur überhaupt noch eine gesellschaftspolitische Bedeutung zubilligen möchte – als Warnung angesichts allseits erkennbarer Symptome eines sich bereits abzeichnenden Worst-Case-Szenarios.“
(Walter Gödden)
Leseprobe
Prolog
Photonennebel, durchbrochen vom Heliumsonnenuntergang über Abraumhalden, hinter der dicken Kunstglasscheibe wird daraus ein Kinoevent … Streifen mörderischer Stickoxide schlingen sich um Minarette und Geschäftstürme, das alles hier von hoch oben …
–Und wie dürfen wir Sie nennen? Marcos? Ist das ein Name, ist das Ihr Name?
Er wirkt wie ein Frettchen, nicht dass Marcos jemals eines leibhaftig gesehen hätte, kennt er nur aus der Datenbank, der andere Typ ist ein Holzklotz, ein Kannibale … Ihre nächste Mahlzeit, das bin ich. Ich muss das nicht beantworten, es steht in meinem Portfolio. Auch wenn es gefälscht ist. Hoffentlich gut gefälscht, ich habe immerhin 1200 TSCs[1] dafür berappt. Alles, was wichtig ist, haben sie in ihren IC‘s[2].
–Was wissen Sie über die TransGen Inc.? Die beiden Hologramme flackern, verlöschen, um sich dann brummend und britzelnd wieder aufzubauen … Als Personnel Manager haben sie nicht die Zeit, hier leibhaftig aufzulaufen. Vielleicht sind sie sonstwo, in Honolulu oder auf der Mondbasis. Wenn sie überhaupt Menschen sind und nicht nur Avatare. Was für ein Frage- und Antwortspiel. Ich kann auch gehen, niemand zwingt sie, mit mir zu reden, nicht einmal ihre Hologramme müssen das. Sie brauchen einfach nur den Cache zu leeren, dann ist es, als sei es nie geschehen …
–Ich … ich habe mich bei Ihnen beworben …
–Ja …??!! Das Frettchen hechelt, heuchelt Neugierde, er will mir die Antwort aus der Nase ziehen. Aber da ist nichts. Ich kann jetzt sowieso nichts sagen, weil eine SPAM-Welle meine IC flutet … Werbung. Radaranlagen, Billigdrohnen, Haushaltsgeräte, verführerische Frauen, Männer und Non-Binäre winden sich in hautengen Raubtierkostümen oder Ledertangas, ihre Kontaktbuttons blinken … Ich mache erstmal Pause … Konzentriere mich …
[1] TSC – Terrestian Standard Coin. Meta-Währung, in die alle noch existierenden Währungen wie Dollar, Euro usw. tagesaktuell umgerechnet werden.
[2] Integrated Circuit, auch personalisiert als: Interior Console, die den Zugang zum Allnetz gewährleistet



